Am späteren Abend taucht das Sternbild Löwe auf - Frühaufsteher können den Saturn beobachten
Am 5. Januar um 1.32 Uhr erreicht die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn. Sie steht unserem Zentralgestirn dann knapp fünf Millionen Kilometer näher als Anfang Juli am sonnenfernsten Punkt. Bei einem durchschnittlichen Sonnenabstand von 150 Millionen Kilometern macht das freilich keinen allzu großen Unterschied aus - deshalb bestimmt auch nicht die Entfernung zur Sonne, sondern die Neigung der Erdachse unsere Jahreszeiten. Denn im Winter weist der Nordpol von der Sonne fort, folglich steht die Sonne auf der Nordhalbkugel niedrig und nur wenige Stunden am Himmel - und die Nächte sind zur Freude der Sternengucker entsprechend lang.
Als erstes Objekt erscheint schon in der hellen Abenddämmerung die Venus am südwestlichen Himmel - geübte Beobachter können den „Abendstern” bei klarer Sicht sogar schon vor Sonnenuntergang ausmachen. Dabei allerdings ist Vorsicht geboten: Niemals mit einem Fernglas oder Fernrohr direkt in die Sonne schauen. Anfang des Monats steht die Venus eine Stunde nach Sonnenuntergang zehn Grad über dem Horizont, Ende des Monats sind es bereits 20 Grad. Am 26. Januar steht die dünne Sichel des zunehmenden Mondes sechs Grad nördlich der Venus. In der späten Dämmerung ist am westlichen Himmel immer noch das Sommerdreieck zu erkennen, doch im Osten erhebt sich bereits strahlend der Jäger Orion mit seinen hellen Sternen Beteigeuze und Rigel, mit seinem auffälligen Gürtel und Schwertgehänge. Östlich des Orion folgen im Laufe des Abends Großer und Kleiner Hund mit den ebenfalls hellen Sternen Sirius und Prokyon. Sirius ist der hellste Stern des Himmels. Er ist nur 8,6 Lichtjahre von uns entfernt und 25 Mal so leuchtkräftig wie unsere Sonne.
Oberhalb des Orion stehen die Sternbilder Zwillinge, Fuhrmann und Stier. Die hellsten Sterne dieser Sternbilder - Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen, Prokyon im Kleinen Hund und schließlich Pollux in den Zwillingen - bilden das sogenannte Wintersechseck.
Westlich des Stiers folgen die eher unscheinbaren Tierkreis-Sternbilder Widder und Fische. Dort leuchtet mit ruhigem Schein als auffälliges Objekt Jupiter. Der größte Planet des Sonnensystems wandert am 8. Januar von den Fischen in den Widder. Später am Abend taucht im Osten mit dem Löwen bereits ein Vorbote des Frühlings auf. Mit dem Löwen erscheint auch ein weiterer Planet am Himmel, der Mars. Der äußere Nachbarplanet der Erde geht Anfang Januar gegen 22.30 Uhr, Ende Januar aber schon gegen 20.45 auf.
Am 26. November hat sich die bislang aufwendigste Mission auf den Weg zum Mars gemacht. Eine unbemannte Raumsonde soll im August ein großes Robot-Fahrzeug namens Curiosity auf dem roten Planeten absetzen, das - so hoffen die Forscher - endgültig die Frage klären soll, ob es auf dem Mars einst Leben gab oder heute noch gibt.
Der vorliegende Artikel stammt aus der RHEINPFALZ, Ausgabe vom 27. Dezember 2011, Autor: Rainer Kayser